believe

Nicolas Siepen, 2005

Die bis heute anhaltende Popularität der von Samuel P. Huntington’s 1993 ausgegebenen Losung vom „Clash of Civilizations“, verdankt sich der Vorstellung, dass Kulturen mich sich selbst identisch seien. Diese Affinität ließ den ganzen ideologischen Staub aufwirbeln, der sich nun Zusehens verfestigt. Dass auch vermeidlich säkulare Gesellschaften weiterhin auf dem Fundament ihrer christlich-abendländischen Herkunft ruhen, prägt vor allem die Klischees, die man sich von anderen Kulturen macht. Die Video- und Fotoinstallation believe von Ina Wudtke nimmt mehrere präzise inhaltliche und formale Schnitte in das komplizierte Gebilde „Kultur“ vor. Dabei geht sie über die von den Cultural Studies entwickelten Konzepte der Hybridität und Multikulturalität hinaus, indem sie gemäß der von Michel Foucault getroffenen Unterscheidung zwischen Sichtbarkeit, Sagbarkeit und Macht, die Differenzen im Heiratsrecht in der Türkei, Israel und Deutschland untersucht. Vor dem Hintergrund national organisierter visueller, sprachlicher und juristischer Codes zeigt die Arbeit zum einen die unterschiedlichen Relationen von staatlichen und religiösen Institutionen und zum anderen wie sich mit diesen Befunden ideologische Formationen spiegeln und umkehren lassen. So wechseln nicht nur vermeintlich essentielle Bestimmungen, die unterschiedlichen Kulturen zugeschrieben werden, auf die jeweils andere Seite, sondern Ina Wudkte gelingt es auch, das von der Geschlechtertrennung geprägte Machtdispositiv für einen Moment auszuhebeln. Religiös-Orthodoxe Männer, die sich über kulturelle Grenzen hinweg darin einig wissen, dass sie die sozialen Regeln bestimmen, werden auf stumme Fotos verbannt. Frauen, die sich diesen Regeln normalerweise unterzuordnen haben, verfügen in Interviews als Wissenschaftlerinnen über die diskursive Macht.