genähter blauer Baumwollvorhang,
bestickt und mit Patchworkaufsatz aus Jeans
und Baumwollstoff besetzt sowie
transparenter Baumwolltüllöffnung
(Maße: 2,60 m hoch x 2,72 m breit)

Anger, Ausstellungsansicht kommunale Galerie Schloss Biesdorf, Berlin, 2020

Anger

In Anger greift Ina Wudtke die Bodenfrage auf und zitiert in ihrer Textilarbeit die Form des Dorfangers. „Anger“ bzw. „Allmende“ (im Englischen „Commons“) bezeichnete den gemeinschaftlich als Wäscheplatz, Weide oder Garten genutzten Dorfplatz, dessen Erträge man teilte. In ihrer Wut über eine kapitalistische Stadtpolitik übertragen zeitgenössische Stadtaktivist*innen das Bild der Commons auf die Gegenwart indem sie den Boden neben Wasser und Luft als kostbare Ressourcen anerkennen und danach streben, ihn wieder in Gemeinschaftseigentum zu überführen. Ina Wudtke stickte neben die augenförmige Angerfläche, Zitate von Karl Marx und der zeitgenössischen Feministin Silvia Federici, in denen sie die Einzäunungen (Privatisierungen) der mittelalterlichen Gemeinschaftsflächen als den Beginn des kapitalistischen Zeitalters und der damit einhergehenden Abwertung von Frauen (-Arbeit und Reproduktion) markieren.

Anger, Detail, 2020